Ein Verein im Umbruch – BAK zu Gast bei Himmelblau

Sommer 2017: Während der BAK einen kompletten Umbruch durchlebt und viele junge Spieler mit geringerem Bekanntheitsgrad verpflichtet, nimmt Viktoria Berlin die erfahrenen und namenhaften Spieler Kargbo, Schünemann oder Kaiser unter Vertrag. Zusammen mit Routiniers wie Ergirdi und Benyamina wollen die Himmelblauen die Liga-Spitze angreifen und vielleicht sogar um die Meisterschaft mitspielen. Ein knappes halbes Jahr später hat sich das Blatt gewendet. Viktoria steht auf Rang sechs, die ersten Plätze sind außer Reichweite. Der Haupt-Geldgeber reduziert sein finanzielles Engagement und die vermeidlichen Großverdiener haben den Verein inzwischen verlassen. Viktoria geht nun den Weg, den der BAK bereits im Sommer bestritten hat.

Nach zahlreichen Winter-Abgängen setzt man in Süd-Berlin nun vermehrt auf Eigengewächse und junge lokale Talente. Das Ziel „Aufstieg“ gibt es nicht mehr. Der Verein orientiert sich, unter dem Slogan „Zukunft mit Jugend“, neu. Das neue Vorhaben lautet: Verjüngung der Mannschaft, sowie nachhaltige Verzahnung von Herren- und Jugendbereich. Eine Neuausrichtung, die primär allerdings fast ausschließlich auf die Kürzung der finanziellen Mittel zurückzuführen ist. Dass dieser schwierige Schritt, der auf den ersten Blick wie ein Rückschritt aussehen mag, eine gute Basis darstellen kann, konnte der BAK bisher erfolgreich unter Beweis stellen. Vor der Saison von vielen als Abstiegskandidat gehandelt, spielte sich ein junges, dynamisches Team mit ansehnlichem und erfrischendem Offensivfußball kontinuierlich nach oben und steht, zumindest im Moment, deutlich über dem Strich.

Im Gegensatz zu Viktoria will der BAK in der kommenden Saison jedoch wieder voll angreifen und die seltene Chance nutzen, als Meister der Regionalliga direkt aufzusteigen. Mit den Verpflichtungen von Torjäger Kargbo, dem erfahrenen Oliver Hofmann sowie dem Rückkehrer und Flügelflitzer Ömer Akyörük wurden bereits erste personelle Maßnahmen vorgenommen. Angesprochener Kargbo erzielte in der Saison bisher elf Treffer für Viktoria. Am vergangenen Wochenende benötigte der ehemalige U17-Europameister dann nur zwei Minuten, um in seiner Premiere für den BAK das erste Mal zu knipsen.

Während sich der Athletik Klub vor heimischer Kulisse einen Punkt gegen das Top-Team aus Nordhausen erkämpfte, punktete eine fast rundum-erneuerte Viktoria-Elf zeitgleich im Jahn-Sportpark beim Tabellenzweiten BFC Dynamo. Zähler, mit denen sowohl der BAK als auch die Viktorianer leben können dürften. Ein Unentschieden gab es auch im direkten Aufeinandertreffen in der Hinrunde im Poststadion – und was für eins. Nach 90 Minuten hieß es 3:3. Kargbo, damals noch für Viktoria am Ball, traf doppelt.

Drei Gegentore will und sollte sich der BAK am Sonntag nicht wieder fangen, denn dann könnte es schwer werden mit einem Punktgewinn in Lichterfelde. Dass dabei die gesamte Stamm-Innenverteidigung fehlen wird, ist natürlich nicht förderlich. Während Tim Linthorst mit einer Außenbandverletzung voraussichtlich noch zwei Wochen ausfällt, sah Pierre Becken gegen Nordhausen seine fünfte Gelbe Karte. Gut möglich also, dass Cedrik Mvondo gemeinsam mit einem defensiven Mittelfeldspieler (Sindik, Tokgöz) die Übergangslösung in der Innenverteidigung bilden könnte. Auch Winter-Neuzugang Hofmann steht für sein Startelf-Debüt bereit.

Am Sonntag werden also zwei Berliner Vereine aufeinander treffen, die im Abstand von sechs Monaten den gleichen Prozess durchlaufen haben. In der kommenden Spielzeit könnten die Schere zwischen den beiden Lokalrivalen jedoch entscheidend auseinander gehen. Am Sonntag kann man aber noch ein ansehnliches Duell auf Augenhöhe erwarten – es könnte erst einmal das Letzte sein.