Özil Debatte – Mehmet Ali Han meldet sich zu Wort

Viel wurde gesprochen in den letzten Tagen und Wochen. Seit Sonntag ist es nun bekannt:

Mesut Özil verlässt die Deutsche Nationalmannschaft.

Eine Rede welche große Wellen schlug und auch bei uns im Verein nicht unberührt blieb. In einem emotionalen Statement meldet sich unser Präsident Mehmet Ali Han wie folgt zu Wort…

 

„Sehr geehrte Damen und Herren,

mit der aktuellen Situation von Mesut Özil haben die Debatten um Fremdenfeindlichkeit, Islamophobie und Rassismus einen Bereich erreicht, der bisher eigentlich für die Wertschätzung von Vielfalt, für Respekt und für Zusammenhalt stand.
Die Rede ist vom Sport und insbesondere vom Fußball.

Als Präsident eines Traditionsvereins, dessen Team und Verantwortliche aus allen Regionen der Welt zusammengekommen sind, ist der BAK ein Paradebeispiel für die gelebte Vielfalt unserer Gesellschaft. Tagtäglich setzen wir uns für ein besseres Miteinander, für ein friedliches Zusammenleben und für eine bessere Zukunft unserer Kinder ein. Und zwar gemeinsam und unabhängig der Herkunft oder Religion.

Ich war immer davon überzeugt, dass der Fußball bestens dafür geeignet ist, Vorurteile abzubauen und die Solidarität der Menschen zu fördern. Doch seit einigen Jahren sind besonders muslimische Mitbürger und Menschen türkischer Herkunft zunehmend Feindseligkeiten und Angriffen ausgesetzt, und zwar in allen Bereichen des Lebens, auch im Fußball, was ich sehr traurig finde. Sie brauchen sich lediglich einige Auswärtsspiele unserer Mannschaft oder Medienberichte zu unserem Verein anzusehen, und Sie wissen wovon ich rede. Allerdings werden solche Entwicklungen kaum wahrgenommen oder gesamtgesellschaftlich thematisiert.

 

Meine Damen und Herren,

das Gift des Rassismus nimmt nicht nur in der Öffentlichkeit und der Politik zu, sondern auch im Sport. Von der Freizeitliga bis zur Nationalmannschaft bedarf es deshalb einer klaren Auseinandersetzung mit dieser Entwicklung. Scheinheilige Lippenbekenntnisse oder werbeträchtige Inszenierungen reichen dafür nicht aus. Es muss ein grundlegender Wandel im Umgang mit Rassismus im Sport stattfinden. Hier sind die Verantwortlichen Funktionäre seit Jahren untätig gewesen. Man hat sich alles schöngeredet und die Augen vor der Realität verschlossen. Das hat sich nun im Fall von Özil in all seiner Klarheit gezeigt.

Es wird derzeit so viel zu Mesut Özil gesagt, geschrieben und publiziert. Ich möchte nicht alles noch einmal diskutieren, aber eins muss ich sagen:

Die Respektlosigkeit und der Rassismus die Mesut Özil im Zusammenhang mit dem Foto mit Herr Erdoğan, dem Staatspräsidenten unseres Herkunftslandes und der Fußball WM aus zahlreichen Richtungen entgegengebracht wurden, verurteile ich aufs Schärfste.
Ich möchte an dieser Stelle auch meinen Beistand und meinen Respekt für seine wegweisende Entscheidung hinsichtlich der deutschen Nationalmannschaft bekunden. Er hat uns Bürgerinnen und Bürgern mit türkischen Wurzeln aus der Seele gesprochen. Wir verstehen seine Ausführungen nicht nur, sondern wir leben sie Tag für Tag.

Während wir uns mit zwei Herzen in der Brust und in bester Absicht für das friedliche Zusammenleben und für einen höheren Wohlstand unserer Gesellschaften einsetzen, kommt es immer wieder vor, dass uns politische und mediale Debatten mit Situationen konfrontieren, in denen wir uns zu irgendwelchen Anlässen rechtfertigen, von Ereignissen distanzieren oder Solidarität bekunden sollen. Allerdings zeigt sich in den meisten Fällen, dass nicht unsere Aufrichtigkeit und unser Beitrag gefragt sind, sondern die Zufriedenstellung bestimmter Erwartungen, die unsere Loyalität zur Bundesrepublik aufzeigen soll.
Seit einem halben Jahrhundert leben wir nun in dritter oder gar vierter Generation in Deutschland und viele von uns sind Beamte, Politiker, Schauspieler, Unternehmer oder erfolgreiche Nationalsportler dieses großartigen Landes, das wir alle lieben und wertschätzen. Es ist unsere Heimat und unser Zuhause. Und ungeachtet der aktuellen gesellschaftlichen Spannungen werden wir uns auch weiterhin für unser Deutschland einsetzen, ob als eingebürgerte Deutsche oder als Ausländer die seit Jahrzehnten hier leben. Zunächst waren wir Gastarbeiter, dann Ausländer und nun Bürger mit Migrationshintergrund. Wann werden wir als vollwertige Bürger dieses Landes gelten?
Niemand sollte von uns erwarten, dass wir unsere Herkunft, unsere Kultur oder unseren Glauben verleugnen. Das werden wir niemals tun. Auf Basis unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung können wir durchaus zu unserer Herkunft stehen und gleichermaßen loyale Bürger der Bundesrepublik sein.
(Sie sollten ein Zebra nicht fragen, ob es weiß oder schwarz ist.)

Ich appelliere daher an alle Verantwortlichen, angefangen von DFB Präsidenten bis zum lokalen Vereinsleiter, den Rassismus im Fußball nicht wegzureden, sondern umgehend wirksame Gegenmaßnahmen einzuleiten. Diese Entwicklung darf nicht weitergehen, wir alle müssen uns entschieden gegen Fremdenfeindlichkeit einsetzen.
Die Augen von Millionen Kindern und Jugendlichen müssen wieder leuchten, wenn sie auf dem Fußballplatz auflaufen und zwar mit dem Traum, einmal für die Nationalmannschaft Deutschlands spielen zu dürfen.“

Vielen Dank
Mehmet Ali Han
Präsident Berliner AK 07